Strafrecht

Strafrecht Allgemeiner Teil

Schuld

Krankhafte seelische Störungen (§ 20 StGB)

Definition: Krankhafte seelische Störungen (§ 20 StGB)

20. Januar 2026

12 Kommentare

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Was versteht man unter einer „krankhaften seelischen Störung“ (§ 20 StGB)?

Krankhafte seelische Störungen sind Geisteskrankheiten, deren körperliche Ursachen nachgewiesen sind (z.B. Paralyse = exogene Psychose) oder postuliert werden (z.B. Schizophrenie = endogene Psychose).

Die Prüfung der (verminderten) Schuldunfähigkeit (§§ 20, 21 StGB) erfolgt zweistufig: (1) Zunächst muss einer der vier im Gesetz genannten biologischen Befunde vorliegen (krankhaft seelische Störung, tiefgreifende Bewusstseinsstörung, Intelligenzminderung, schwere seelische Störung). (2) Zu prüfen ist dann, ob der Täter wegen des Befunds psychisch unfähig war, also entweder in seiner Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt war. Die praktisch wichtigste Fallgruppe exogener Psychosen sind die akuten Intoxikationspsychosen infolge der Zufuhr von Rauschmitteln, Medikamenten oder Giften. Nach anderer Auffassung unterfallen diese den tiefgreifenden Bewusstseinsstörungen (§ 20 Var. 2 StGB). Der BGH hat die Frage offen gelassen.
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Fragen und Anmerkungen aus der Jurafuchs-Community

Dogu

Dogu

5.8.2024, 20:09:25

Irresein ist aber nicht wirklicher medizinischer oder zeitgenössischer juristischer Sprachgebrauch oder? Auch ist mir nicht ganz klar, wieso die Psychose auf eine körperliche Ursache zurückgeführt werden muss. Wichtiger ist doch, dass sie von außen als schwerwiegende Erkrankung erkennbar ist. Die Wissenschaft steht doch noch ganz am Anfang der Erkenntnis im Bereich Neurobiologie. Ob jede Depression eine biologische Ursache hat, ist mehr als fraglich.

AN

annsophie.mzkw

17.9.2024, 13:58:27

Ich stoße mich ebenfalls sehr an dem Begriff "Irresein“.

AG

agi

23.9.2024, 16:49:21

Bipolare Störung wäre eine bessere Wortwahl

Sebastian Schmitt

Sebastian Schmitt

28.9.2024, 22:26:29

Hallo @[Dogu](137074), ob die Bezeichnung "Irresein" noch dem zeitgenössischen medizinischen oder juristischen Sprachgebrauch entspricht, kann ich nicht beurteilen (vermutlich eher nicht mehr). Die Formulierung findet sich aber zB immer noch genau so bei Lackner/Kühl/Heger, StGB, 30. Aufl 2023, § 20 Rn 5; Kindhäuser/Hilgendorf, StGB, 9. Aufl 2022, § 20 Rn 6 Fn 5 und Dölling/Duttge/König/Rössner/Verrel/Linke, StGB, 4. Aufl 2017, § 20 Rn 6, wenn auch mit Bezug zu einer BGH-Entscheidung aus 2001, in der sie selbst nicht auftaucht (BGH NJW 2001, 1435). Wir haben den Begriff vorerst aus der Aufgabe entfernt und nennen dort jetzt nur noch die Schizophrenie. Worauf das Kriterium der organischen Ursache zurückzuführen ist, kann ich mangels entsprechender biologischer oder medizinischer Fachkenntnisse ebenfalls nicht beurteilen. In der Kommentarliteratur scheint das aber weitestgehend nach wie vor vorausgesetzt zu werden (s zB BeckOK-StGB/Eschelbach, 62. Ed, Stand 1.8.24, § 20 Rn 12 mwN). Es scheint mir so, dass das StrafR hier mit einer möglicherweise veralteten und nicht nur deshalb durchaus kritikwürdigen Vorstellung arbeitet (in diese Richtung zB Fischer, StGB, 70. Aufl 2023, § 20 Rn 8; Schönke/Schröder/Perron/Weißer, StGB, 30. Aufl 2019, § 20 Rn 6). Viele Grüße, Sebastian - für das Jurafuchs-Team

TheRizzard

TheRizzard

27.1.2025, 12:38:35

Kann der Streit, ob es sich um eine

krankhaft seelische Störung

oder eine

tiefgreifende Bewusstseinsstörung

handelt nicht im Endeffekt offen bleiben? Oder ändert sich hier etwas bei der Bewertung?

BEN

benjaminmeister

26.3.2025, 18:49:32

Ja, kann offen bleiben.

MO

Moritz

21.5.2025, 22:32:04

imagine du machst einen

Meinung

sstreit deshalb auf. WTF

DI

Dini2010

13.5.2025, 15:50:16

Wie kommt Ihr denn darauf, dass eine Paralyse eine exogene Psychose darstellt? Es gibt zwar exogene Psychosen (also eine psychotische Störung durch äußere/exogene Ursachen, zB durch Medikamente, Drogen, Hirnschäden, Infektionen etc.). Und es gibt auch die Paralyse, die bedeutet in der Medizin aber eine vollständige Lähmung zB beider Beine. Zusätzlich gibt es psychische Paralysen, wo die zB Lähmungen einfach psychischer Natur sind (aber wiederum nichts mit Psychose zu tun haben). Von daher interessiert mich, woher dieses Konstrukt Paralyse = exogene Psychose stammt? Die Juristen und angehenden Juristen stört es vermutlich nicht, aber mich (als zudem noch Ärztin) stolpere drüber : )

Sebastian Schmitt

Sebastian Schmitt

28.5.2025, 21:44:54

Hallo @[Dini2010](109777), diese Frage müsstest Du zB Kindhäuser/Hilgendorf stellen, die in ihrem LPK-StGB, 10. Aufl 2025, § 20 Rn 6 mwN genau das schreiben und an denen wir uns orientiert haben (Entsprechendes dürfte auch in dem in unseren Quellen genannten Lehrbuch von Zimmermann stehen, auf das ich allerdings gerade keinen Zugriff habe). Ob das inhaltlich so passt oder nicht, kann ich wegen fehlenden Sachverstands leider nicht wirklich sagen, weil es sich letztlich um eine medizinische und keine rechtliche Frage handelt. Viele Grüße, Sebastian - für das Jurafuchs-Team

DI

Dini2010

29.5.2025, 10:07:46

@[Sebastian Schmitt](263562) vielen lieben Dank für die Antwort🙏. Um es direkt einmal vorweg zu sagen: Das war auch überhaupt nicht "böse" gemeint! Wenn man neben Jura schon ein Medizinstudium hinter sich hat, dann stolpert man über sowas und dann ist das Interesse geweckt "woher kommt das, hab ich was verpasst?" 🙈 Bei Kindhäuser/Zimmermann steht dieselbe Definition, hab gerade mal geschaut. Ich bin es aber schon gewohnt, dass medizinische Aspekte manchmal (!) abenteuerlich werden, wenn sie von Juristen (hier bezogen auf Kindh./Zimm. Nicht auf Euch!) interpretiert werden.😂 Musste neulich bzgl Sterbehilfe etc "lernen", dass es ja ok ist, wenn man dem todgeweihten Krebskranken Morphin bzw allgemein Opiate für die Schmerzen gibt (als Handlungszweck) und er daran als Nebenwirkung stirbt, Morphin würde nämlich in zu hoher Dosis "den Körper vergiften und deshalb würde der Mensch innerhalb von Wochen und Monaten daran sterben" 😳 Nein, Morphin hemmt das Atemzentrum, bei zu hoher Dosis hört der Mensch innerhalb von Minuten (je nachdem, ob gespritzt oder als Tablette genommen) auf zu atmen und stirbt ohne Beatmung. Mit ein Grund, weshalb man beatmet werden muss während einer OP. Nun komme ich aber obendrein auch ausgerechnet aus der Anästhesie 😂 Aber das nur nebenbei zum Thema Juristen und Medizin, ist umgekehrt leider noch viel schlimmer 😂 Danke für Eure und speziell auch Deine Arbeit hier! Immer nett, freundlich und informativ 🙏👍

Sebastian Schmitt

Sebastian Schmitt

29.5.2025, 11:38:01

Hallo @[Dini2010](109777), vielen Dank erstmal für die netten Worte! Und keine Sorge, ich habe das gar nicht böse aufgefasst, wir können das nur leider wirklich nicht einschätzen und an irgendetwas müssen wir uns nun mal orientieren. Dass bestimmte Fachbereiche von anderen Fachbereichen wenig Ahnung haben und das zu verschiedenen Probleme führt (auch in der Praxis!), ist leider nichts Neues. Um das wirklich in den Griff zu kriegen, bräuchte man interdisziplinär ausgebildete Leute, die idealerweise nicht nur beide/mehrere Fächer studiert, sondern auch mal darin gearbeitet und Praxiserfahrung gesammelt haben - und es davon gibt es nun mal nicht wirklich viele. Viele Grüße, Sebastian - für das Jurafuchs-Team

DI

Dini2010

29.5.2025, 12:47:30

Hallo @[Sebastian Schmitt](263562) ,da habe ich volles Verständnis für! Ich kann leider nur diese zwei Studiengänge vorweisen 😂 sollte mir aber medizinisch irgendwann wieder etwas auffallen, kommentiere ich es gern, wenn das in Eurem Interesse ist 😊 Viele Grüße


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