Neffe überredet Onkel zu Gewitterspaziergang


+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs

Trotz eines heftigen Gewitters überredet N seinen schwerreichen Onkel O zu einem Spaziergang. N hofft, dass O von einem Blitz erschlagen wird. Tatsächlich wird O durch einen Blitzschlag getötet.

Einordnung des Falls

Neffe überredet Onkel zu Gewitterspaziergang

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Der Tod des O ist N objektiv zuzurechnen.

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Nein, das ist nicht der Fall!

Objektiv zurechenbar ist ein Erfolg, wenn der Täter (1) eine rechtlich missbilligte Gefahr geschaffen und (2) sich genau diese Gefahr im Erfolg realisiert hat. Keine rechtlich missbilligte Gefahrschaffung liegt vor, wenn der Grad der Gefährdung so gering ist, dass er das allgemeine Lebensrisiko nicht übersteigt, wie bei ganz entfernten Bedingungen (z.B. Zeugung eines späteren Mörders) und unbeherrschbaren Kausalverläufen (z.B. Naturgewalten). Es verwirklicht sich im Falle des Erfolgseintritts dann kein Unrecht, sondern Unglück.Hier trat der Tod des O im Wege des unbeherrschbaren Wirkens der Naturkräfte ein.

2. N hat den Tod des O kausal verursacht.

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Ja, in der Tat!

Rspr. und hL bestimmen die Kausalität überwiegend nach der Äquivalenztheorie (= conditio-sine-qua-non-Formel). Eine Handlung ist danach kausal, wenn sie nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele.Hätte N den O nicht zu dem Spaziergang überredet, wäre O nicht vom Blitz getroffen worden.

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SAL

Salwa

21.10.2020, 16:24:49

Fällt dieser Fall des allgemeinen Lebensrisikos in die im Überblick aufgeführte Kategorie des erlaubten Risikos/sozialadäquates Verhalten oder in die Kategorie eigenverantwortliche Selbstgefährdung, oder ist es eine eigene Kategorie des Ausschlusses der objektiven Zurechnung, die nicht im Überblick erwähnt wird?

JURA

Juranus

11.11.2020, 14:36:16

Weder noch. Die Kategorien, die du meinst, sind ja nur Ausnahmen von der Regel. Also obwohl eine rechtlich relevante Gefahr geschaffen wurde, die sich dann im Erfolg realisiert, wird die objektive Zurechnung dennoch verneint. Im vorliegenden Fall wurde ja aber schon gar keine rechtlich relevante Gefahr geschaffen. Das „Opfer“ hatte einfach Pech.


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