Handlungen im Vorfeld der tatbestandlichen Ausführungshandlung / Vorbereitungshandlungen 4


+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs

T möchte seinen reichen Onkel O ausrauben. Er weiß, dass dieser jeden Sonntag im Park spazieren geht. Am Freitag macht er dort eine geeignete Stelle aus, um den geplanten Raub zu begehen.

Einordnung des Falls

Handlungen im Vorfeld der tatbestandlichen Ausführungshandlung / Vorbereitungshandlungen 4

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 3 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Der Versuch eines Raubes (§ 249 Abs. 1 StGB) ist strafbar.

Diese Rechtsfrage lösen 99,6 % der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

Genau, so ist das!

Der Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar, der Versuch eines Vergehens nur dann, wenn das Gesetz es ausdrücklich bestimmt (§ 23 Abs. 1 StGB). Der Raub ist ein Verbrechen und daher bereits im Versuch strafbar (§§ 249 Abs. 1, 12 Abs. 1 StGB). Die Regelung in § 249 Abs. 2 StGB stellt lediglich eine Strafzumessungsregelung dar und ändert nicht die Deliktsqualität des Raubes (§ 12 Abs. 3 StGB).

2. T hat „Tatentschluss“ bezüglich eines Raubes.

Diese Rechtsfrage lösen 98,7 % der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

Ja, in der Tat!

Tatentschluss ist der subjektive Tatbestand des Versuchs. Er umfasst den auf alle objektiven Tatbestandsmerkmale gerichteten Vorsatz sowie sonstige subjektive Tatbestandsmerkmale. Der Täter hat Tatentschluss, wenn er endgültig entschlossen ist, den Deliktstatbestand zu verwirklichen. Dabei wird zur bloßen Tatgeneigtheit abgegrenzt. T hat sich fest entschlossen den Raub zu begehen und plant bereits die Ausführung.

3. T hat „unmittelbar zur Tatbestandsverwirklichung angesetzt“.

Diese Rechtsfrage lösen 92,2 % der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

Nein!

Das objektive Tatbestandselement des Versuchs liegt im unmittelbaren Ansetzen zur Tatbestandsverwirklichung (§ 22 StGB). Das unmittelbare Ansetzen liegt vor, wenn der Täter subjektiv die Schwelle des „Jetzt-geht-es-los“ überschreitet und objektiv – unter Zugrundelegung seiner Vorstellung – Handlungen vornimmt, die bei ungestörtem Fortgang ohne wesentliche Zwischenschritte zur Tatbestandsverwirklichung führen oder mit ihr in unmittelbarem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang stehen. Ein unmittelbarer zeitlicher Zusammenhang liegt nicht vor, da zwei Tage einen wesentlichen zeitlichen Schnitt darstellen. Zudem sind noch wesentliche Zwischenschritte erforderlich. Das Auskundschaften stellt eine bloße Vorbereitungshandlung dar.

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tomvali

tomvali

13.11.2022, 22:13:31

Angenommen T würde am Sonntag im Gebüsch auf O warten. Dieser kommt jedoch nicht. Läge dann ein unmittelbares Ansetzen vor?

Lukas_Mengestu

Lukas_Mengestu

14.11.2022, 10:49:10

Hallo tomvali, wenn T am Sonntag im Gebüsch hocken würde, so käme es auf den konkreten Sachverhalt an. Wenn er die Waffe bereits entsichert und auf den Weg gerichtet hat, sodass er wirklich nur noch abdrücken müsste, so bedarf es objektiv keiner wesentlichen Zwischenschritte mehr und auch subjektiv dürfte die Schwelle zum jetzt-geht-es-los überschritten sein. Ein strafbarer Versuch läge vor. In den übrigen Fällen müsste man je nach Einzelfall abwägen, ob bereits ein strafbarer Versuch oder eine straflose Vorbereitungshandlung vorliegt. Beste Grüße, Lukas - für das Jurafuchs-Team


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