+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

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Klassisches Klausurproblem

Baggerfahrer B erfasst Rocker R mit der Schaufel des Baggers und verletzt R schwer. Durch die Einlieferung ins Krankenhaus verpasst R das Konzert seiner Lieblingsband Metallica am selben Tag. R hatte bereits eine (nicht personengebundene) Karte im Wert von €50 erworben.

Einordnung des Falls

fehlgeschlagene Aufwendungen

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Die Kosten der Konzertkarte sind über die Grundsätzen für entgangene private Nutzungsmöglichkeit ersetzbar.

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Nein, das ist nicht der Fall!

Nach der Rechtsprechung kann die entgangene privaten Nutzungsmöglichkeit nur dann als Vermögensschaden angesehen werden, wenn (1) in den Gegenstand selbst eingegriffen wurde, (2) es sich um ein Wirtschaftsgut von zentraler Bedeutung handelt und (3) die Nutzungsbeeinträchtigung fühlbar ist.Hier fehlt es schon an einem gegenstandsbezogenen Eingriff: Nicht die Konzertkarte wird beschädigt, sondern die Person verletzt.

2. Fehlgeschlagene private Aufwendungen sind im Übrigen grundsätzlich nicht iRd §§ 249ff. BGB ersetzbar.

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Ja, in der Tat!

Aufwendungen, durch die der Geschädigte bereits vor dem Schadensfall Gebrauchsvorteile erworben hat, die er nach dem schädigenden Ereignis nicht mehr nutzen kann, stellen nach hM grundsätzlich keinen Vermögensschaden dar. Denn es wird nicht die Sache selbst (vorübergehend) unbrauchbar. Lediglich die Person des Berechtigten wird daran gehindert, den in Aussicht genommenen Gebrauch zu machen. Für die allgemeinen Handlungsmöglichkeiten einer Person kann aber keine Entschädigung geleistet werden. Sonst würde der Geschädigte selbst darüber bestimmen, was einen Vermögensschaden darstellt. Etwas anderes kann sich im Vertragsrecht etwa aus § 284 BGB ergeben.

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