Strafrecht AT | Vorsatz | Koinzidenz- / Simultanitätsprinzip (Aufgabe des Vorsatzes zwischen Tathandlung und Erfolgseintritt)


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A schreibt dem neuen Freund O seiner Ex-Frau einen über mehrere Seiten extrem beleidigenden Brief und gibt ihn bei der Post ab. Bevor der Brief zugestellt ist, versucht er vergeblich, die Zustellung des Briefes an O zu verhindern.

Einordnung des Falls

Strafrecht AT | Vorsatz | Koinzidenz- / Simultanitätsprinzip (Aufgabe des Vorsatzes zwischen Tathandlung und Erfolgseintritt)

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 1 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Der Vorsatz muss in dem Zeitpunkt vorliegen, in dem die Beleidigung (§ 185 StGB) den O trifft.

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

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Nein, das trifft nicht zu!

Der Täter hat Vorsatz, wenn er mit dem Willen zur Verwirklichung des Tatbestands (voluntatives Element) in Kenntnis aller objektiven Tatumstände (kognitives Element) handelt. Nach dem Umkehrschluss aus § 16 Abs. 1 S. 1 StGB muss der Vorsatz bei „Begehung der Tat“ vorliegen. Entscheidend ist der Moment der tatbestandlichen Ausführungshandlung (§ 8 StGB; Koinzidenz-/Simultanitätsprinzip). Der Vorsatz muss nicht bis zum Erfolgseintritt „durchgehalten“ werden.A hatte beim Absenden Vorsatz. Dass er zwischen dem Abschluss der Tathandlung und dem Erfolgseintritt den Verwirklichungswillen aufgegeben hat, beseitigt seinen Vorsatz bei Begehung der Tat nicht.

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