Eingreifen freiwilliger, rechtlich nicht verpflichteter Retter – objektive Zurechnung


+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

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Der schusselige S hat in seiner Wohnung im 1. Stock vergessen, den Herd auszuschalten. Es kommt im Mehrfamilienhaus zum großflächigen Brand. Passantin P läuft daran vorbei und hört die Schreie eines Babys. Sie geht hinein und wird im Flur von einem herabfallenden Balken getötet.

Einordnung des Falls

Eingreifen freiwilliger, rechtlich nicht verpflichteter Retter – objektive Zurechnung

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 1 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Ist S der Tod der P objektiv zuzurechnen?

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

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Ja, in der Tat!

Objektiv zurechenbar ist ein Erfolg, wenn durch das Verhalten des Täters (1) eine rechtlich missbilligte Gefahr geschaffen worden ist, die (2) sich im tatbestandsmäßigen Erfolg realisiert. Ausnahme 1: Keine Zurechnung, wenn ein Dritter sich eigenverantwortlich selbst gefährdet. Ausnahme 2: Keine Zurechnung, wenn die Handlung des Dritten nicht typischerweise und deshalb unvorhersehbar in der Ausgangsgefahr begründet liegt. P hat sich zwar eigenverantwortlich selbst gefährdet. Sie ist freiwillige Helferin (keine Berufshelferin). Die Zurechnung ist aber ausnahmsweise geboten, wenn sich der Retter herausgefordert fühlen durfte und dies für den Täter vorhersehbar war. S hat mit dem Brand für P typischerweise und vorhersehbar ein einseitiges Motiv für gefährliche Rettungsmaßnahmen geschaffen.

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