+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs

Polizist P versucht Räuber R auf frischer Tat zu stellen. R widersetzt sich. P verfolgt den R. Ein von P abgegebener Schuss verfehlt den R und trifft den unbeteiligten Fußgänger O.

Einordnung des Falls

Gefahrzusammenhang: Schädigung durch einen Dritten

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 3 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Verursacht der Täter durch den Raub (§§ 249, 250, 252, 255 StGB) wenigstens leichtfertig den Tod eines anderen Menschen, so ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren (Raub mit Todesfolge, § 251 StGB).

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Genau, so ist das!

Raub mit Todesfolge (§ 251 StGB) ist ein erfolgsqualifiziertes Delikt, bei dem der Täter durch den Raub in zumindest leichtfertiger Weise den Tod eines anderen Menschen verursacht hat. Die Voraussetzungen sind (1) die Verwirklichung des Grundtatbestandes (§§ 249, 250, 252 und 255 StGB), (2) der Eintritt des Todes eines Menschen als schwere Folge, (3) Kausalität zwischen Grunddelikt und schwerer Folge, (4) der Unmittelbarkeitszusammenhang zwischen Grunddelikt und Folge, (5) leichtfertiges sowie (6) rechtswidriges und (7) schuldhaftes Handeln.

2. Über die Kausalität hinaus muss zwischen Nötigung und Todeseintritt ein unmittelbarer Risikozusammenhang bestehen.

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Ja, in der Tat!

Abgesehen von der Kausalität muss zwischen dem Raub und dem Tod des Opfers ein Unmittelbarkeitszusammenhang bestehen: der Tod des Opfers muss dabei aus der besonderen Gefahr resultieren, die durch die Raubhandlung geschaffen wurde. Das Grunddelikt muss unmittelbar zum Erfolg geführt haben.

3. Der Raub und die Gewaltanwendung des R haben unmittelbar zum Tod des O geführt.

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Nein!

Auch wenn das Ausgangsrisiko eine solche Gefahr in sich barg, sind Todesfolgen nicht zurechenbar, falls der Erfolg nicht aufgrund dieser Risikofaktoren, sondern aufgrund eines inadäquaten Kausalverlaufes eintritt. Ferner ist der Unmittelbarkeitszusammenhang nicht gegeben, wenn der Tod durch das Verhalten eines Dritten, das nicht dem Widerstand gegen die Wegnahme (oder gegen die Beutesicherung) dient, bedingt wird. Der Schuss des P ist als Verhalten eines Dritten, der nicht Widerstand leistet, zu qualifizieren. Es war ein Verhalten zulasten des R und zur Bekämpfung dessen Unrechts. Damit wird der Unmittelbarkeitszusammenhang zugunsten des R durchbrochen.

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