+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs
Tags
Lernplan SR Kleiner Schein (100%)
Lernplan SR Kleiner Schein (80%)
Lernplan Strafrecht AT (100%)
Lernplan Strafrecht AT (80%)

Die Krankenschwestern S1 und S2 injizieren kurz nacheinander und unabhängig voneinander der Infusionsflasche des verhassten Patienten P eine jeweils tödliche Dosis Gift. Die Wirkung würde sich erst Stunden später entfalten. S1 ist zu ungeduldig und erstickt P mit einem Kissen.

Einordnung des Falls

Killer-Krankenschwestern

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. S1 hat den Tod des P kausal verursacht, indem sie ihm das Kopfkissen auf den Kopf gedrückt hat.

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

...Wird geladen

Ja, in der Tat!

Rspr und hL bestimmen die Kausalität überwiegend nach der Äquivalenztheorie (= conditio-sine-qua-non-Formel). Eine Handlung ist danach kausal, wenn sie nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele. Überholende Zweitereignisse bewirken einen Abbruch des KausalverlaufsDenkt man den Einsatz des Kopfkissens durch S1 hinweg, wäre P zwar wenig später durch die Vergiftung seitens S1 und S2 auch gestorben. Der Vergiftungstod ist als hypothetische Reserveursache jedoch irrelevant. Er hätte auch den Erfolg nicht in seiner konkreten Gestalt bewirkt (Tod durch Ersticken). Der durch S1 verursachte Erstickungstod hat den hypothetischen Vergiftungstod somit überholt.

2. S2 hat den Tod des P kausal verursacht, indem sie das Gift in die Infusionsflasche gegeben hat.

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

...Wird geladen

Nein!

Rspr und hL bestimmen die Kausalität überwiegend nach der Äquivalenztheorie (= conditio-sine-qua-non-Formel). Eine Handlung ist danach kausal, wenn sie nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele. Überholende Zweitereignisse bewirken einen Abbruch des Kausalverlaufs Denkt man die Giftbeigabe durch S2 hinweg, entfiele nicht der Erstickungstod des P. Die von S2 in Gang gesetzte Kausalkette (Vergiftung) ist nicht wirksam geworden. S1 hat mit der von ihr gesetzten neuen Bedingung (Ersticken) auch nicht an die von S2 gesetzte Bedingung angeknüpft, sondern diesen vielmehr abgebrochen.

Jurafuchs kostenlos testen

© Jurafuchs 2024