+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

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Lernplan SR Großer Schein (100%)
Lernplan Strafrecht BT: Vermögensdelikte (100%)

S dringt in die Zentrale der Privatdetektive J, P, und B ein und nimmt den dort befindlichen Papagei samt Käfig an sich.

Einordnung des Falls

Lebendes Tier als Sache

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Der Papagei ist eine "Sache" (§ 242 Abs. 1 StGB).

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Ja!

Der Begriff der Sache im Strafrecht ist nach hM autonom zu bilden und von zivilrechtlichen Regelungen unabhängig. Er stimmt mit dem zivilrechtlichen Sachbegriff hinsichtlich der Körperlichkeit überein. Tiere gelten jedoch im Strafrecht als "Sachen" (anders im Zivilrecht: nach § 90a BGB sollen Tiere keine Sachen sein). Da das StGB wesentlich älter ist als das BGB bedarf es nach hM nicht der Verweisung des § 90a S. 3 BGB (a.A. Bosch, in: Schönke/Schröder, § 242 Rn. 9).

2. Der Papagei war mit dem Käfig "durch ein verschlossenes Behältnis gegen Wegnahme besonders gesichert" (Regelbeispiel, § 243 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 StGB).

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Nein, das ist nicht der Fall!

Ein verschlossenes Behältnis ist jedes Raumgebilde, das der Aufbewahrung von Sachen dient und nicht dem Betreten durch Menschen gewidmet ist. Der Käfig dient dem Aufenthalt des Papageis, also einer Sache im strafrechtlichen Sinne. Zudem müsste das Behältnis eine besondere Sicherungswirkung entfalten. Dies ist der Fall, wenn die Wegnahme hierdurch nicht unerheblich erschwert wird. Durch den Käfig wird die Wegnahme jedoch tendenziell sogar erleichtert, da er den Papagei leichter transportabel macht. Das Regelbeispiel ist daher nicht erfüllt.

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