+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

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Lernplan ZR Kleiner Schein (100%)

Verkäufer V bestellt bei Großhändler G Freitag um 22 Uhr per E-Mail 30 Tische. Regulär hat G samstags geschlossen. G ist diesen Samstag zufällig im Büro, liest die E-Mail und leitet die Bestellung an den Hersteller weiter. Sonntagfrüh storniert V die Bestellung bei G per E-Mail.

Einordnung des Falls

Tatsächliche Kenntnis vor Zugang und Widerruf

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 1 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Das Angebot des V ist nicht wirksam geworden. G ist gleichzeitig ein Widerruf des V zugegangen.

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

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Nein, das ist nicht der Fall!

Geht dem Adressaten einer Willenserklärung vor oder gleichzeitig mit ihrem Zugang ein Widerruf zu, wird die Willenserklärung nicht wirksam (§ 130 Abs. 1 S. 2 BGB). Nach der Verkehrssitte war erst zu Geschäftsbeginn am Montagmorgen mit einer Kenntnisnahme der Bestellung des H zu rechnen. Unter normalen Umständen wäre Montagfrüh der Widerruf zeitgleich mit der Bestellung zugegangen. Eine tatsächliche Kenntnisnahme führt aber immer zum Zugang, und zwar auch dann, wenn sie früher als erwartet, d.h. vor dem regulären Zugangszeitpunkt i.S.d. § 130 Abs. 1 BGB erfolgt. Hat der Empfänger tatsächlich Kenntnis genommen, verdient er im Vertrauen auf ihre Geltung Schutz. Der Widerruf des H ist verspätet.

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