Neffe überredet Onkel zu Flugreise (Erlaubtes Risiko / Sozialadäquanz)


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N will den Tod seines schwerreichen Onkels O herbeiführen und überredet ihn zu einer Flugreise. N hofft, dass das Flugzeug abstürzt. Es stürzt tatsächlich ab und O stirbt.

Einordnung des Falls

Neffe überredet Onkel zu Flugreise (Erlaubtes Risiko / Sozialadäquanz)

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. N hat den Tod des O kausal verursacht.

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Ja!

Rspr. und hL bestimmen die Kausalität überwiegend nach der Äquivalenztheorie (= conditio sine qua non Formel). Eine Handlung ist danach kausal, wenn sie nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele.Hätte N den O nicht zur Unternehmung der Flugreise überredet, wäre O nicht in das Flugzeug gestiegen und tödlich verunglückt.

2. Der Tod des O ist N objektiv zurechenbar.

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Nein, das ist nicht der Fall!

Objektiv zurechenbar ist ein Erfolg, wenn der Täter (1) eine rechtlich missbilligte Gefahr geschaffen und (2) sich genau diese Gefahr im Erfolg realisiert hat. Keine rechtlich missbilligte Gefahr liegt darin, wenn der Täter zwar ein Verletzungsrisiko hervorruft, sein Verhalten aber vom erlaubten Risiko gedeckt ist. Dies ist der Fall, wenn das Verhalten trotz Gefährlichkeit aufgrund des sozialen Nutzens gemeinschaftsüblich ist und gebilligt wird (sog. Sozialadäquanz).Flugverkehr ist generell sozial nützlich. Es besteht auch nur eine geringe Absturzwahrscheinlichkeit. Dass der N den O überredet hat zu fliegen, ist sozialadäquat und damit nicht rechtlich missbilligt.

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