+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

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Lernplan SR Großer Schein (100%)

T will Os wertvolle Antik-Büchersammlung wegnehmen. Damit O dies duldet und keinen Widerstand leistet, schnappt sich T dessen kleinen Sohn S und erklärt, er werde S im Falle Os Gegenwehr umbringen. O gibt daraufhin nach und T verschwindet mit den Büchern.

Einordnung des Falls

Drohung - Bedrohung Dritter

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. T hat eine „fremde bewegliche Sache weggenommen“.

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Genau, so ist das!

Tathandlung ist zunächst die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache. Diese wird identisch zur Wegnahme in § 242 Abs. 1 StGB definiert und geprüft. Wegnahme ist der Bruch fremden und die Begründung neuen, nicht notwendigerweise tätereigenen Gewahrsams. T hat Os Antik-Büchersammlung entwendet, dadurch fremden Gewahrsam gebrochen, neuen Gewahrsam begründet und mithin eine fremde bewegliche Sache auch weggenommen.

2. Indem T gedroht hat, den S umzubringen, hat er O „mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben gedroht“ (§ 249 Abs. 1 StGB).

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Ja, in der Tat!

Drohung ist das Inaussichtstellen eines zukünftigen Übels, auf dessen Eintritt der Drohende Einfluss zu haben vorgibt. Die Androhung der gegenwärtigen Gefahr muss sich nicht unbedingt gegen den Nötigungsadressaten selbst, sondern kann sich auch gegen Dritte richten („Dreiecks-Drohung“). Nach h.M. muss es sich dabei nicht zwangsläufig um nahestehende Personen handeln (z.B. Bedrohung von Kunden, um in die Supermarktkasse greifen zu können). Entscheidend ist lediglich, ob der Nötigungsadressat das einem Anderen zugedachte Übel gleichermaßen für sich selbst als Übel empfindet und dadurch im Sinne des Täterverlangens motiviert/ zu einem bestimmten Verhalten gezwungen wird. Dies ist bei O im Hinblick auf seinen Sohn zu bejahen.

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