+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs
Tags
Lernplan SR Großer Schein (100%)
Lernplan Strafrecht BT: Nichtvermögensdelikte (100%)

Bei einer Prügelei zwischen T und O ergreift T ein Messer und schneidet O die Nase ab. Eine Rekonstruktion der Nase ist nicht möglich.

Einordnung des Falls

Nr. 2: Ein wichtiges Glied des Körpers verliert: Nase

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Die Nase des O stellt nach der engsten Ansicht und wohl h.M. ein "Glied des Körpers" (§ 226 Abs. 1 Nr. 2 StGB) dar.

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

...Wird geladen

Nein, das ist nicht der Fall!

(1) Die engste Ansicht zählt dazu nur äußerliche Körperteile, die eine in sich abgeschlossene Existenz mit besonderer Funktion im Gesamtorganismus haben und mit dem Körper durch ein Gelenk verbunden sind (z.B. Arme, Hände, Finger(-glieder), Beine, Knie, Füße, Zehen). (2) Nach einer mittleren Ansicht, die von einer Verbindung durch Gelenke absieht, sind auch Nase, Ohr(-muschel) und äußere Genitalien erfasst. (3) Die weiteste Auffassung bezieht sogar auch innere Organe wie die Niere mit ein. Gegen die weite Auffassung spricht: (1) Wortlaut: Der Sprachgebrauch zielt mit "Glied" auf etwas Äußeres ab; (2) Systematik: Organe sind in Nr. 1 und 3 spezieller geregelt. Gegen die mittlere Auffassung spricht: (1) Wortlaut: Sie gibt die Abgrenzung zwischen Körperteilen und Körpergliedern auf; (2) Systematik: Für den Verlust des Gehörs trifft Nr. 1 bereits eine Regelung. Der Verlust der Nase unterfällt wegen der dauernden Entstellung der Nr. 3. Os Nase ist nicht mit dem Körper durch ein Gelenk verbunden.

2. O ist "in erheblicher Weise dauernd entstellt" (§ 226 Abs. 1 Nr. 3 Var. 1 StGB).

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

...Wird geladen

Ja, in der Tat!

Eine Entstellung liegt vor, wenn die äußere Gesamterscheinung in unästhetischer Weise verändert wird. Sie ist dauernd, wenn sie das Aussehen endgültig oder für unbestimmt lange Zeit (d.h. chronisch) beeinträchtigt. Erheblich ist die Entstellung, wenn sie gravierend ist. Aus der systematischen Auslegung ergibt sich, dass die Verunstaltung zumindest ein Gewicht haben muss, welches demjenigen der übrigen in § 226 StGB genannten Folgen gleichkommt. Indem T die Nase abgetrennt hat, wurde O endgültig und nicht nur geringfügig entstellt.

Jurafuchs kostenlos testen

© Jurafuchs 2024