Strafrecht AT | Vorsatz | Das Wissen um die Tatbestandsverwirklichung, § 16 Abs. 1 S. 1 StGB (Sprengung eines Hauses)


+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs

Sprengmeister S soll das leerstehende Kaufhaus in der Neuen Großen Bergstraße in Hamburg-Altona in die Luft sprengen. Als er damit loslegt, weiß er nicht, dass in der Nacht fünf politische Aktivisten das Gebäude "besetzt" haben, um gegen die Sprengung zu protestieren.

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 1 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. S hat den Tod der fünf Aktivisten durch die Sprengung des Gebäudes vorsätzlich herbeigeführt.

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

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Nein, das ist nicht der Fall!

Der Täter hat Vorsatz, wenn er mit dem Willen zur Verwirklichung des Tatbestands (voluntatives Element) in Kenntnis aller objektiven Tatumstände (kognitives Element) handelt. Nicht vorsätzlich handelt, wer „bei Begehung der Tat einen Umstand nicht kennt, der zum gesetzlichen Tatbestand gehört“ (§ 16 Abs. 1 S. 1 StGB).S hatte keine Kenntnis davon, dass er bei der Sprengung Menschen töten würde. Er unterlag somit einem Tatbestandsirrtum (§ 16 Abs. 1 S. 1 StGB). Er hatte keinen Vorsatz bzgl. eines Totschlags (§ 212 StGB).

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