Kausalzusammenhang zw. Erklärungsirrtum und WE fehlt


+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs
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Lernplan ZR Kleiner Schein (100%)

G bucht telefonisch ein Hotelzimmer. Dabei verspricht er sich und fragt anstelle seines „Stammzimmers“ 35 nach Zimmer 34. Erst vor Ort bemerkt er seinen Fehler und ficht seine Willenserklärung an. Zimmer 34 und 35 sind gleichwertig.

Einordnung des Falls

Kausalzusammenhang zw. Erklärungsirrtum und WE fehlt

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Der Erklärungsirrtum berechtigt G zur Anfechtung (§ 119 Abs. 1 Alt. 2 BGB).

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Nein, das trifft nicht zu!

Der Anfechtende muss sich an der Erklärung festhalten lassen, die er bei Kenntnis der Sachlage und bei verständiger Würdigung des Falles abgegeben haben würde (§ 119 Abs. 1 BGB). Damit muss der Irrtum für die Abgabe der Willenserklärung ursächlich sein. Zusätzlich fordert das Merkmal der „verständigen Würdigung des Falles“ eine objektive Erheblichkeit des Irrtums. Somit muss auf die Sicht eines verständigen Menschen „frei von Eigensinn, subjektiven Launen und törichten Anschauungen“ abgestellt werden. Ein solcher hätte auch Zimmer 34 gebucht, wenn er gewusst hätte, dass es mit Zimmer 35 identisch ist. Der Irrtum war daher nicht erheblich.

2. G hat sich bei der Buchung versprochen. Ihm ist ein Erklärungsirrtum unterlaufen (§ 119 Abs. 1 Alt. 2 BGB).

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Ja!

Der Erklärungsirrtum (§ 119 Abs. 1 Alt. 2 BGB) bezeichnet das unbewusste Auseinanderfallen von objektiv Erklärtem und subjektiv Gewolltem dadurch, dass der Erklärende eine Erklärung dieses Inhalts überhaupt nicht abgeben wollte. Dies ist regelmäßig der Fall, wenn sich der Erklärende verschreibt, vergreift, verspricht, vertippt oder ähnliches. G wollte "Zimmer 35" sagen und sagte tatsächlich "Zimmer 34".

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