(Fall) Erben zweiter Ordnung (2), § 1925 BGB (insb. Abs. 3)


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V ist vermögenslos und verheiratet mit M, die €5.000.000 „schwer“ ist. V hat mit M ein vierjähriges Kind K und aus einer Affäre mit G ein zweijähriges Kind B, dessen Vaterschaft er anerkannt hat. Bei einem Verkehrsunfall sterben V und M. K verstirbt 24 Stunden später im Krankenhaus. Testamente liegen keine vor.

Einordnung des Falls

(Fall) Erben zweiter Ordnung (2), § 1925 BGB (insb. Abs. 3)

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 4 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. V beerbt M.

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Nein!

Erbe kann sein, wer rechts- und damit erbfähig ist, § 1 BGB. Eine natürliche Person muss leben oder gezeugt sein, § 1923 BGB. Kann nicht festgestellt werden, in welcher Reihenfolge mehrere Personen verstorben sind, so wird vermutet, dass sie gleichzeitig verstorben sind, § 11 VerschG (sog. Kommorientenvermutung).(1) Ein Erbfall liegt vor, M ist tot, § 1922 Abs. 1 BGB. (2) V scheidet für die Berufung zum Erben jedoch von vornherein aus, wenn er überhaupt nicht erbfähig ist. Hier wird vermutet, dass V und M gleichzeitig verstorben sind. Bei Erbfall war V nicht rechts- und daher nicht erbfähig. V kann M nicht beerben.

2. K war nach dem Tod der M Alleinerbe der M.

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Genau, so ist das!

Liegt eine Verfügung von Todes wegen nicht vor (nach § 1937 BGB vorrangig), so bestimmt sich die Berufung zum Erben nach der gesetzlichen Erbfolge. Die gesetzliche Erbfolge bestimmt sich, soweit das Ehegattenerbrecht (§§ 1931 ff. BGB) nicht infrage kommt und Verwandte existieren, allein nach dem Verwandtenerbrecht der §§ 1924 ff. BGB. Gesetzliche Erben erster Ordnung sind die Abkömmlinge des Erblassers, § 1924 Abs. 1 BGB.(1) Als Abkömmling der M schließt K etwaige Erben höherer Ordnungen aus, § 1930 BGB. (2) Da K kinderloses Einzelkind ist, kommt es auf § 1924 Abs. 2 bis Abs. 4 BGB nicht an. Ergebnis: K ist Alleinerbe der M.

3. K stirbt. B ist Alleinerbe des K.

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Ja, in der Tat!

Existieren keine Erben erster Ordnung, so ist die zweite Ordnung zur Erbfolge berufen, § 1930 BGB. Erben zweiter Ordnung sind die Eltern des Erblassers, § 1925 Abs. 1 BGB. Lebt ein Elternteil nicht mehr, so treten an seine Stelle die Abkömmlinge (§ 1925 Abs. 3 S. 1 BGB), der andere Elternteil (§ 1925 Abs. 3 S. 2 BGB) oder dessen Abkömmlinge (§ 1925 Abs. 3 S. 2, S. 1 BGB).(1) An Stelle des verstorbenen K erbt B, § 1925 Abs. 3 S. 1 BGB. (2) Die verstorbene M hat keine weiteren Kinder, sodass K an ihre Stelle tritt, § 1925 Abs. 3 S. 2 BGB. Da K tot ist, erbt B, § 1925 Abs. 3 S. 1 BGB. Ergebnis: B ist gesetzlicher (Allein-)Erbe zweiter Ordnung.

4. K stirbt. Die Eltern der verstorbenen M, X und Y, leben noch. Statt B beerben die Großeltern X und Y ihr Enkelkind K.

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Nein!

Existieren keine Erben erster und zweiter Ordnung, so sind die Erben dritter Ordnung zur Erbfolge berufen, § 1930 BGB. Erben dritter Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, § 1926 Abs. 1 BGB.(1) An Stelle des verstorbenen V erbt B, § 1925 Abs. 3 S. 1 BGB. Die verstorbene M hat keine weiteren Kinder, sodass V an ihre Stelle tritt, § 1925 Abs. 3 S. 2 BGB. Da V tot ist, erbt B, § 1925 Abs. 3 S. 1 BGB. B ist gesetzlicher (Allein-)Erbe zweiter Ordnung. (2) Da K’s Großeltern als Erben dritter Ordnung (§ 1926 Abs. 1 BGB) nur subsidiär zur gesetzlichen Erbfolge berufen sind (§ 1930 BGB), erben sie nicht.

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