Rücktritt beendeter Versuch - ernsthaftes Sichbemühen - Abergläubische Rettungsbemühungen


+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs

T vergiftet O mit Tötungsvorsatz. Dass die Menge nicht tödlich ist, ahnt T nicht. Kurz darauf bereut T die Tat und betet zu Asklepios, dem Gott der Heilkunde, dass dieser O das Leben rette. Als O überlebt, ist T überglücklich und weiht dem Gott einen neuen Altar.

Einordnung des Falls

Rücktritt beendeter Versuch - ernsthaftes Sichbemühen - Abergläubische Rettungsbemühungen

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Die Tat wurde ohne Zutun der T nicht vollendet (§ 24 Abs. 1 S. 2 StGB).

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Genau, so ist das!

Nichtvollendung ohne Zutun des Täters meint, dass die (Rettungs-)Handlung des Täters nicht kausal für das Ausbleiben des Erfolges war. Erforderlich ist also das Ausbleiben des Erfolges und die fehlende Kausalität einer Handlung des Täters. Dass T zu Asklepios gebetet hat, war nicht kausal für das Ausbleiben des Todes. Kausal war allein die Untauglichkeit des Tatmittels, also die nicht tödliche Menge des Gifts.

2. T hat sich nach der herrschenden Meinung „bemüht“, den Erfolg zu verhindern (§ 24 Abs. 1 S. 2 StGB).

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Nein, das trifft nicht zu!

Ein Sichbemühen liegt vor, wenn der Täter vorsätzlich eine Handlung vornimmt, die nach seiner Vorstellung geeignet ist, den Erfolg zu verhindern und den in Gang gesetzten Kausalverlauf zu unterbrechen. Bei irrealen Rettungsversuchen lehnt die herrschende Meinung einen Verhinderungsversuch ab, da ein Gebet im rechtlichen Sinne nicht Ursache sein kann. Das Gebet kann nicht Ursache im Rechtssinne sein. T wollte keine Ursache in diesem Sinne setzen, die dazu dienen könnte, den Erfolgseintritt zu verhindern. Nach anderer Ansicht kann auch irreales Handeln ausreichen, da es auf die subjektive Vorstellung des Täter ankommt und dieser auch töricht handeln kann.

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