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Klassisches Klausurproblem

Arzt A verteilt an die Teilnehmer einer sog. Psycholyse-Sitzung illegale Drogen. Diese sollen ermöglichen, an unbewusste Inhalte der Psyche zu gelangen. Alle wissen, dass die Therapie nicht anerkannt ist und die Drogen illegal sind. Teilnehmer T erleidet (wie schon bei früheren Sitzungen mit A) Halluzinationen und Spasmen.

Einordnung des Falls

Psycholysefall (BGH NStZ 2011, 341 - Selbstgefährdung)

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 1 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Dem A ist die Körperverletzung des T objektiv zuzurechnen.

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

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Nein, das trifft nicht zu!

Eine die Zurechnung ausschließende eigenverantwortliche Selbstgefährdung des Opfers ist von der einverständlichen Fremdgefährdung abzugrenzen. Das Opfer gefährdet sich eigenverantwortlich selbst, wenn die alleinige Tatherrschaft bei ihm selbst liegt.BGH: In der Schädigung des T habe sich nicht die von A durch Ausgabe der Drogen geschaffene Gefahr realisiert, sondern das von T bei der Einnahme eigenverantwortlich eingegangene Risiko. Obwohl bei T schon früher ähnliche Nebenwirkungen aufgetreten seien, habe er die Drogen erneut eigenhändig, wissentlich und willentlich zu sich genommen. Er habe sich selbstverantwortlich auf eine Therapie eingelassen, die offensichtlich die Grenzen auch nur ansatzweise anerkennenswerter ärztlicher Heilkunst überschreite.

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