+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs

A und B streiten darüber, ob "Der Pate 1" oder "Der Pate 2" der bessere Film ist. Dabei wird A über die Meinung des B so wütend, dass er diesem ins Gesicht spuckt.

Einordnung des Falls

Tätlichkeit (§ 185 Alt. 2 StGB)

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 3 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Die Beleidigung setzt tatbestandlich eine Kundgabe voraus.

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Ja, in der Tat!

Eine Beleidigung ist der Angriff auf die Ehre eines anderen durch Kundgabe eigener Missachtung, Geringschätzung oder Nichtachtung. Sie hat vier Bestandteile: Es wird (1) eine Tatsachenbehauptung gegenüber dem Betroffenen bzw. ein Werturteil gegenüber dem Betroffenen oder einem Dritten (2) kundgegeben, (3) die Äußerung hat ehrverletzenden Inhalt und (4) wird vom Adressaten wahrgenommen.

2. A hat seine Missachtung gegenüber B kundgegeben.

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Ja!

Eine Beleidigung als Tathandlung setzt die Kundgabe von Tatsachen oder Werturteilen voraus. Dabei kommen Äußerungen in jeder Form in Betracht, also mündliche oder schriftliche sowie etwa Gesten (Mittelfinger) und Symbole. Die Beleidigung kann auch "mittels einer Tätlichkeit" begangen werden (§ 185 Alt. 2 StGB). Tätlichkeit ist eine unmittelbar auf den Körper des Opfers einwirkende Handlung, durch die der Täter zugleich seine Nicht- oder Missachtung zum Ausdruck bringt (z.B. Anspucken, Ohrfeige, Abschneiden der Haare usw.). Das Anspucken wirkt unmittelbar auf den Körper des B ein, T bringt damit seine Missachtung für diesen zum Ausdruck.

3. Die Beleidigung mittels Tätlichkeit ist eine einfache Beleidigung.

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Nein, das ist nicht der Fall!

Erfolgt die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit, liegt eine Qualifikation vor. Statt mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird die qualifizierte Beleidigung mittels Tätlichkeit mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft (§ 185 Alt. 2 StGB).

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