Abwandlung - Verloren gegangener Schlüssel als falscher Schlüssel i.S.v. § 243 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 StGB


+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs

Der schusselige S verliert den Schlüssel zu dem Keller seiner Mietwohnung, in dem seine Modelleisenbahn steht. Bevor dieser den Verlust bemerkt, findet seine Modellbaukonkurrentin M den Schlüssel und verschafft sich damit Zugang zu dem Keller. Dort entwendet sie eine Modelllok des S.

Einordnung des Falls

Abwandlung - Verloren gegangener Schlüssel als falscher Schlüssel i.S.v. § 243 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 StGB

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. M ist in einen umschlossenen Raum eingedrungen (§ 243 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 StGB).

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Ja!

Ein umschlossener Raum ist jedes Raumgebilde, das dazu bestimmt ist, von Menschen betreten zu werden und das mit Vorrichtungen umgeben ist, die das Eindringen von Unbefugten abwehren sollen. Eindringen ist jedes Betreten des Raums ohne oder gegen den Willen des Berechtigten. Berechtigter ist derjenige, dem die Verfügungsgewalt über den Raum zusteht. Das muss nicht der Eigentümer, sondern kann z. B. auch ein Mieter sein. S ist Mieter einer Wohnung, zu der auch der gegenständliche Keller gehört. Zu eben diesen verschafft sich M Zutritt, ohne dass S davon überhaupt Kenntnis hat.

2. M hat dafür einen "falschen Schlüssel" verwendet.

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Nein, das ist nicht der Fall!

Ein Schlüssel ist falsch, wenn er zur Tatzeit vom Berechtigten entweder überhaupt nicht oder nicht mehr zum Öffnen des betreffenden Verschlusses bestimmt ("gewidmet") ist. Der Gebrauch eines falschen ist dabei von dem Missbrauch eines richtigen Schlüssels zu unterscheiden. Bei dem Verlust eines richtigen Schlüssels ist in der Regel erst mit dem Entdecken des Verlusts durch den Berechtigten von einer (konkludenten) Entwidmung auszugehen. M hat sich mit dem bei S verlustig gegangenen Schlüssel Zugang zu dem Keller verschafft. Dies geschah allerdings zu einem Zeitpunkt bevor S den Verlust seines Schlüssels überhaupt bemerkt hat. Der Schlüssel war zur Tatzeit also noch zum Öffnen des Kellers bestimmt.

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