+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

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A schüttet der Antialkoholikerin B heimlich einen kleinen Schnaps in ihre Cola. B leidet deshalb eine Stunde lang unter leichter Übelkeit.

Einordnung des Falls

Gift

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 3 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Indem A der B einen Schnaps in ihre Cola schüttet, hat er sie "an der Gesundheit geschädigt" (§ 223 Abs. 1 Var. 2 StGB).

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Genau, so ist das!

Eine Gesundheitsschädigung ist das Hervorrufen oder Steigern eines nicht nur unerheblichen krankhaften (= pathologischen) Zustandes. Krankhaft ist der vom Normalzustand der körperlichen Funktionen nachteilig abweichende Zustand. B ist wegen des Schnaps eine Stunde lang übel. A hat somit einen nicht nur unerheblichen vom Normalzustand der körperlichen Funktionen des Opfers nachteilig abweichenden (pathologischen) Zustand hervorgerufen und die B an der Gesundheit geschädigt (§ 223 Abs. 1 Var. 2 StGB).

2. Alkohol fällt unter den Begriff des "Giftes" (§ 224 Abs. 1 Nr. 1 Var. 1 StGB).

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Ja, in der Tat!

Gift meint jeden organischen oder anorganischen Stoff, der durch chemische oder chemisch-physikalische Wirkung die Gesundheit schädigen kann. Alkohol ist ein organischer, chemisch wirkender Stoff, der die Gesundheit schädigen kann und damit ein Gift.

3. Der von A eingeschüttete Schnaps ist ein "gesundheitsschädliches Gift" (§ 224 Abs. 1 Nr. 1 StGB).

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Nein, das ist nicht der Fall!

Der Giftbegriff wird weit verstanden. Zur Einschränkung muss das Gift auch gesundheitsschädlich sein, also unter den konkreten Bedingungen geeignet sein, die Gesundheit erheblich zu schädigen. Erhebliche Verletzungen müssen zwar nicht tatsächlich eingetreten sein. Nach h.M. muss die Substanz aber ihrer Art und dem konkreten Einsatz nach unter Berücksichtigung der Menge sowie der Opferkonstitution geeignet sein, erhebliche Beeinträchtigungen der Gesundheit herbeizuführen. Dabei kommt es maßgeblich auf die Dosierung an. Ein einziger Schnaps ist normalerweise nicht geeignet, die Gesundheit erheblich zu beeinträchtigen.

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