Erkennungsdienstliche Maßnahmen

19. Mai 2025

11 Kommentare

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leichtmittelschwer

+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs

Bankräuber B ist polizeilich mehrmals durch Bankraube aufgefallen. Er lungert seit Tagen vor einer Bankfiliale herum, sodass die Polizei gerufen wird. Nach der Aufforderung, sich auszuweisen, versucht B wegzurennen. Polizist P nimmt B mit auf die Wache und nimmt seine Fingerabdrücke.

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Einordnung des Falls

Erkennungsdienstliche Maßnahmen

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 2 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Die Polizeigesetze der Länder beinhalten verschiedene Standardermächtigungen zur Erhebung von Daten.

Ja!

Die Polizeigesetze der Länder beinhalten mehrere Ermächtigungsgrundlagen, die zur Erhebung von sach- und personenbezogenen Daten ermächtigen. Die Datenerhebung ist ein wichtiges Instrument der Polizei zur Gefahrenabwehr: Für die Informationsgewinnung und Gefahrerforschung ist die polizeiliche Datenerhebung unumgänglich. In der Klausur solltest Du die verschiedenen Standardermächtigungen zur Datenerhebung klar trennen. Im Laufe dieses Kurses lernst Du, worin die Unterschiede der einzelnen Maßnahmen bestehen.
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2. Die Polizeigesetze der Länder ermächtigen die Polizei zur Vornahme erkennungsdienstlicher Maßnahmen. Stellt das Abnehmen von Fingerabdrücken des B eine erkennungsdienstliche Maßnahme dar?

Genau, so ist das!

Erkennungsdienstliche Maßnahmen sind die Feststellung, Registrierung und Auswertung individueller persönlicher Daten. Insbesondere zählt dazu die Abnahme von Finger- und Handflächenabdrücken, die Aufnahme von Lichtbildern, die Feststellung äußerer körperlicher Merkmale wie der Augenfarbe oder Messungen z.B. vom Blutdruck (Art. 14 Abs. 2 BayPAG, § 16 Abs. 3 PAG TH, § 15 Abs 3 NPOG). Das Abnehmen der Fingerabdrücke fällt unter die in den Polizeigesetzen ausgewählten Regelbeispiele und stellt somit "insbesondere" eine erkennungsdienstliche Maßnahme dar. Sind erkennungsdienstliche Maßnahmen in den Polizeigesetzen der Länder aufgezählt, liegt damit keine abschließende Aufzählung vor. Dies wird deutlich durch das Wort "insbesondere". Es sind lediglich Regelbeispiele.
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Fragen und Anmerkungen aus der Jurafuchs-Community

ENU

ehemalige:r Nutzer:in

29.9.2022, 11:49:56

183 II LVwG SH enthält im Gegensatz zu den hier aufgelisteten Polizeigesetzen nicht das Wort "insbesondere". Handelt es sich dennoch nur um nicht abschließende

Regelbeispiele

?

D34

D34

18.1.2024, 20:49:01

Gleiches gilt für § 19 I HSOG.

MAG

Magnum

4.3.2025, 15:36:25

Woraus ergibt sich denn die

Ermächtigungsgrundlage

, den Räuber mit auf die Dienststelle zu bringen? Zumindest in Berlin ist dies nicht aus § 23 (Erkennungsdienstliche Maßnahmen) zu entnehmen. Muss ich dafür zumindest wieder auf die

Generalklausel

zurückgreifen?

Mickie

Mickie

9.4.2025, 12:27:55

Ja, ich würde die

Generalklausel

anwenden. Hier kann man dann noch diskutieren, ob es sich um einen VA (Duldung der Maßnahme, wobei die EGL die

Generalklausel

ist —> Anfechtungsklage) oder ein

Realakt

(—>

Feststellungsklage

) handelt. Dies ist umstritten, in der Klausur wird beides vertretbar sein.

LEO12

Leo123!

13.5.2025, 15:23:40

Nein, ein Rückgriff auf die polizeiliche

Generalklausel

ist nach meinem Dafürhalten aufgrund einer - jedenfalls in Schleswig Holstein - vorhandenen Standardermächtigung nicht möglich. Die Heranziehung der polizeilichen

Generalklausel

würde einen schwerwiegenden und zugleich systematischen Fehler darstellen. Die Möglichkeit der Verbringung des Betroffenen zur Dienststelle ergibt sich aus § 181 IV LVwG SH. Die Anordnung der erkennungsdienstlichen Maßnahme (Abnahme von Fingerabdrücken) ergibt sich aus § 183 I i.V.m. § 183 II Nr. 1 LVwG SH.


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