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Hilfsaufrechnung und Hilfswiderklage

11. März 2026

12 Kommentare

leichtmittelschwer

+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs

K erhebt Klage gegen B. Er behauptet, B schulde ihm €4.000. B erwidert, diese Schuld sei bereits beglichen. Vorsorglich erklärt er die Aufrechnung mit einer Gegenforderung von €2.000. Zudem erhebt er Hilfswiderklage, falls über die Gegenforderung nicht bei der Aufrechnung entschieden wird.

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Einordnung des Falls

Hilfsaufrechnung und Hilfswiderklage

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab

Das sind die 5 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt
1. Die nur hilfsweise erklärte Aufrechnungserklärung des B ist unzulässig (§ 388 S. 2 BGB).

Nein, das trifft nicht zu!

Die Aufrechnung ist als Gestaltungsmittel grundsätzlich bedingungsfeindlich (§ 388 S. 2 BGB). Bei der Hilfsaufrechnung handelt es sich indes um eine zulässige Rechtsbedingung. Da der Eintritt der Bedingung innerhalb des Prozesses geklärt wird, entsteht für den Erklärungsgegner (=Kläger) keine Rechtsunsicherheit. B hat die Aufrechnung hilfsweise erklärt. Sie soll nur dann Wirkung entfalten, wenn der Erfüllungseinwand nicht greift und die Klage begründet ist. Dies stellt eine zulässige innerprozessuale Bedingung dar.
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2. Ist die Klage des K begründet, so wird über die Gegenforderung des B im Rahmen der Widerklage entschieden.

Nein!

Als Einwendung gegen den Klageanspruch ist eine Aufrechnung bzw. der ihr zugrundeliegende Gegenanspruch des Beklagten grundsätzlich im Rahmen der Klage zu prüfen. Anders kann dies bei einer Hilfsaufrechnung sein, die unter der Bedingung der Begründetheit der Klage erklärt wird. Diese entfaltet als Einwendung nur dann ihre Wirkung, wenn die Klage begründet ist und wird auch nur dann bei der Klage thematisiert. B hat die Aufrechnung hilfsweise für den Fall der Begründetheit der Klage erklärt. Ist die Klage iHv €4.000 also begründet, wird über seine Gegenforderung iHv €2000 im Rahmen der Klage als Einwendung entschieden.
3. Ist die hilfsweise Erhebung der Widerklage durch B zulässig (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO)?

Genau, so ist das!

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss jede Klageschrift einen bestimmten Antrag enthalten. Dies gilt auch für eine Widerklage. Die Vorschrift schließt grundsätzlich die „bedingte“ Klageerhebung aus, um Rechtsunsicherheit zu vermeiden. Bei einer Klage/Widerklage ist die Bestimmtheit allerdings ausreichend gewahrt, wenn deren Erhebung allein von einer Entscheidung des erkennenden Gerichts abhängig gemacht wird (=innerprozessuale Bedingung). Es entsteht dann gerade keine Rechtsunsicherheit. B hat die Hilfswiderklage für den Fall erhoben, dass keine Entscheidung über die Gegenforderung im Rahmen der Aufrechnung ergeht. Dies hängt allein von dem erkennenden Gericht ab.Lerne in Zusammenhängen! Sowohl Hilfswiderklage als auch Hilfsaufrechnung sind zulässig, da hierdurch keine Rechtsunsicherheit entsteht!
4. Soweit B die Hilfsaufrechnung erklärt hat, ist seine Gegenforderung rechtshängig und steht damit der Zulässigkeit der Hilfs-Widerklage entgegen.

Nein, das trifft nicht zu!

Nach § 261 Abs. 3 Nr. 1 ZPO kann eine rechtshängige Streitsache während der Dauer der Rechtshängigkeit von keiner Partei anderweitig anhängig gemacht werden. Nach § 261 Abs. 1 ZPO wird die Rechtshängigkeit durch Klageerhebung begründet. Soweit B den Gegenanspruch durch Aufrechnung in den Prozess einführt, wird er dadurch nicht rechtshängig. Denn insoweit hat er keine Klage erhoben. Die (Hilfs-)Aufrechnung steht daher der Zulässigkeit einer Widerklage bezüglich der gleichen Forderung nicht entgegen.
5. Die Hilfswiderklage ist nur zulässig, wenn die Gegenforderung und die Klageforderung konnex sind.

Nein!

Nach § 33 Abs. 1 Alt. 2 ZPO muss die Widerklage nicht zwangsläufig mit der Klage in Zusammenhang stehen. Vielmehr genügt es hiernach, wenn die Widerklage mit den gegen die Klage vorgebrachten Verteidigungsmitteln in Zusammenhang steht. Vorliegend steht die Hilfswiderklage in Zusammenhang mit der gegen die Klage erklärten Hilfsaufrechnung, da sich beide auf den gleichen Gegenanspruch stützen. Daher ist die Hilfswiderklage unabhängig davon zulässig, ob Klage- und Widerklageanspruch konnex sind.
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Fragen und Anmerkungen aus der Jurafuchs-Community

Sinan

Sinan

5.11.2024, 16:25:39

Ich habe ein seltsames Störgefühl bei dem Vorgehen, die

Konnexität

der

Hilfswiderklage

mit der

Hilfsaufrechnung

problemlos genügen zu lassen, wenn die innenprozessuale Bedingung der

Hilfsaufrechnung

nicht eingetreten ist. Müsste man nicht wenigstens problematisieren, ob

da

s Verteidigungsmittel

da

mit "vorgebracht" im Sinne des

§ 33 ZPO

wurde? Ich habe

da

zu aber nichts ausdrückliches im Thomas/Putzo gefunden. Was meint ihr

da

zu?

Nocebo

Nocebo

9.12.2024, 16:37:53

Interessanter Punkt, aber

da

s muss ausreichen,

da

es genau nur

da

nn auf die

Hilfswiderklage

ankommt (und man die Rechtsprechung grundsätzlich überzeugend findet). Denn wenn die

Hilfsaufrechnung

greifen würde, wäre

ja

die Bedingung der

Hilfswiderklage

gar nicht eingetreten. Die

Hilfswiderklage

knüpft

da

mit immer an eine "nicht vorgebrachte"

Hilfsaufrechnung

an.

VOD

vodir

6.1.2026, 17:47:03

Hat es für den Beklagten, der Widerklage erheben will irgendeinen Nachteil hilfsweise aufzurechnen, um die

Konnexität

herzustellen?

SO

sophia1002

6.6.2025, 17:45:39

Wäre die

Hilfswiderklage

unzulässig, wenn - anders als im Beispiel - über die Gegenforderung im Rahmen der

Hilfsaufrechnung

entschieden wurde?

Da

nn wöre

ja

eine

Rechtshängigkeit

wegen §

322 II ZPO

gegeben oder?

SPA

sparfüchsin

21.6.2025, 23:49:02

Wenn über die Gegenforderung im Rahmen der

Hilfsaufrechnung

entschieden wird, wird

da

durch die Gegenforderung nicht rechtshängig. Deswegen kann auch

da

nn die

Aufrechnung

nicht der

Hilfswiderklage

entgegen stehen.

MO

Moritz94

3.7.2025, 12:14:32

Bitte im Aufgabentext im letzten Satz nach "

Hilfswiderklage

" ein Komma einfügen. Im Gegenzug im Klausurhinweis zur dritten Teilaufgabe

da

s Komma (zufällig ebenfalls nach "

Hilfswiderklage

") löschen.

MO

Moritz94

11.7.2025, 22:59:14

Da

mit der Thread schnell gelöscht werden kann, markiere ich mal @[Tim Gottschalk](287974). :-)

daniel_lagemann

daniel_lagemann

9.7.2025, 16:46:43

So wie ich den Thomas/Putzo,

§ 33 ZPO

, Rn. 1 a.E. verstehe verlangt der BGH stets

Konnexität

als besondere Prozessvoraussetzung der (Hilfs-)Widerklage. Verstehe ich

da

s falsch?

JURA

juramk

12.8.2025, 14:17:29

Nach meinem Verständnis ist hier gemeint,

da

ss die

Aufrechnung

im Prozess zwei eigentlich nicht konnexe Forderungen konnex im Sinne des

§ 33 ZPO

machen kann. Die (Hilfs)

Aufrechnung

führt die

Konnexität

erst herbei, diese besteht

da

nn - wie in der Aufgabe erläutert - nicht zu der Klageforderung an sich, sondern zu der

Aufrechnung

als gegen die Klageforderung erhobenes Verteidigungsmittel.

Da

s wiederum ist ausreichend für die von

§ 33 ZPO

und dem BGH geforderte

Konnexität

. Keine Gewähr, aber so habe ich es verstanden und so ergibt die Aufgabe mE nach Sinn.

NI

Niro95

19.8.2025, 22:06:49

Genau so ist es. Die Aufgabe drückt

da

s nur sehr schlecht aus.


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