Drogendealer hat überlegenes Wissen (Fremdgefährdung)


+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

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Klassisches Klausurproblem

H ist heroinabhängig. Er ordert bei Dealer D eine große Menge reinen Heroins. D erkennt aufgrund des physischen und psychischen Zustands des H, dass H das mit dem Konsum von reinem Heroin verbundene Risiko nicht mehr abschätzen kann. Trotzdem übergibt er H den Stoff.

Einordnung des Falls

Drogendealer hat überlegenes Wissen (Fremdgefährdung)

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 1 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Wenn H infolge des Konsums des reinen Heroins stirbt, ist dieser Tod dem D objektiv zuzurechnen.

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

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Ja, in der Tat!

Eine die Zurechnung ausschließende eigenverantwortliche Selbstgefährdung des Opfers ist von der einverständlichen Fremdgefährdung abzugrenzen. Das Opfer gefährdet sich eigenverantwortlich selbst, wenn die alleinige Tatherrschaft bei ihm selbst liegt.Obwohl D erkennt, dass H das Risiko nicht mehr einschätzen kann, übergibt er ihm das Heroin. Damit hat er die Gefahr geschaffen, dass H sich eine Überdosis verabreicht. D hat kraft überlegenen Wissens das Risiko besser erfasst als der sich selbst gefährdende H und damit Tatherrschaft. Die Eigenverantwortlichkeit des H wird durch die Verantwortung des D überlagert. Wenn H tatsächlich infolge einer Überdosis stirbt, ist D dieser Tod damit wegen der Tatherrschaft auch zurechenbar.

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