ZR: Prozessrecht & Klausurtypen
Die zivilrechtliche Urteilsklausur
Aufrechnung
Tatbestand Zivilurteil: Klagen mit Aufrechnung
Schema: Tatbestand Zivilurteil: Klagen mit Aufrechnung
4. März 2026
26 Kommentare
4,8 ★ (44.913 mal geöffnet in Jurafuchs)
Wie ist der Tatbestand bei Klagen mit Aufrechnung durch den Beklagten aufzubauen?
Einleitungssatz
„Die Parteien streiten über … (z.B. gegenseitige Zahlungsansprüche aus einem Kaufvertrag).“ Unstreitiges zur Klageforderung
Streitiges Klägervorbringen zu Nebenforderungen
Erklärt der Beklagte die unbedingte Primäraufrechnung, so stellt er damit zugleich den klägerischen Vortrag bezüglich der Forderung unstreitig. In Betracht kommt damit lediglich noch streitiges Klägervorbringen zu den Nebenforderungen. „Der Kläger behauptet, …“ ggf. antragsbezogene Prozessgeschichte („kleine“)
Anträge (eingerückt)
„Der Kläger beantragt, den Beklagten zu verurteilen, …“, „Der Beklagte beantragt, die Klage abzuweisen.“ Streitiges Beklagtenvorbringen zu Nebenforderungen
„Der Beklagte behauptet, …“ Überleitung Aufrechnung
Die Aufrechnung ist nicht als Antrag des Beklagten darzustellen, sondern im Rahmen seines streitigen Sachvortrags. „Der Beklagte erklärt die Aufrechnung mit einer angeblichen Forderung in Höhe von … aus …“ Unstreitiges zur Gegenforderung
Sofern Klageforderung und Gegenforderung auf demselben Sachverhalt beruhen, kann das Unstreitige von Klage- und Gegenforderung auch gemeinsam zu Beginn des Tatbestandes dargestellt werden.
Streitiges Beklagtenvorbringen zur Gegenforderung
Streitiges Klägervorbringen zur Gegenforderung
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Fragen und Anmerkungen aus der Jurafuchs-Community
Dennis
8.1.2024, 13:50:12
Müsste hier in die Fragestellung nicht noch der Hinweis rein,
dass es sich um eine
Primäraufrechnunghandelt und
daher kein streitiger Vortrag des Klägers zur Klageforderung in den Tatbestand muss?
Moritz94
11.7.2025, 22:47:25
Push, @[Leo Lee](213375) @[Christian Leupold-Wendling](29773) @[Sebastian Schmitt](263562)
la reina de los gatos
5.5.2024, 14:13:50
Warum wird hier von "Nebenforderungen" gesprochen? Geht es nicht um eine Hauptforderung bzw. den ursprünglichen Klageantrag, und
dann wird eine
Primäraufrechnungim Verfahren erklärt?
nboss
13.5.2024, 14:03:49
Ich würde sagen
dass ist die Antwort aber keine Gewähr:) Erklärt der Beklagte die unbedingte
Primäraufrechnung, so stellt er
damit zugleich den klägerischen Vortrag bezüglich der Forderung unstreitig. In Betracht kommt
damit lediglich noch streitiges Klägervorbringen zu den Nebenforderungen. Grüße
claire21
26.5.2024, 22:44:39
s hier von „Nebenforderungen“ gesprochen wird, ist vermutlich ein Fehler? Gemeint sein müsste Hauptforderung oder?
benedetto
27.5.2024, 11:51:50
Bei einer
Primäraufrechnungist der SV in tatsächlicher Hinsicht unstreitig (bzgl. der Hauptforderung). Insoweit kann es keinen streitigen SV geben. Zumindest Kaiser ist der Auffassung,
dass eine erklärte
Hilfsaufrechnungauch
dann in Wirklichkeit eine
Primäraufrechnungist, wenn nur um Tatsachen gestritten wird. Eine echte
Hilfsaufrechnung(bei der auch streitiger Tatsachenvortrag aufzuführen ist), könne es
dann nur geben, wenn auch um tatsächliche Punkte gestritten wird.
Juriano
3.10.2024, 12:58:14
s Schema ist richtig. Hinsichtlich der Nebenforderungen wird eine "Ausnahme" (eigentlich keine echte Ausnahme)gemacht. Wenn diesbezüglich Tatsachen umstritten sind liegt dennoch eine
Primäraufrechnungvor.
Das macht auch Sinn, wenn man sich die sonstige Konzeption von Nebenforderungen vor Augen hält. Nebenforderungen bleiben
jabeispielsweise auch bezüglich der Streitwerte unberücksichtigt.
Aleton
28.9.2025, 19:28:59
Ich lese oft von Nebenforderungen. Was fällt den
jetztneben den Zinsen genau
darunter? Auch die Anwaltskosten und wenn
jawelche? Sorry, aber ich wusste nicht genau, wo ich
das Fragen sollte. Bezieht sich die Höhe der vorläufigen Vollstreckbarkeit auf den Gebührenstreitwert?
Foxxy
28.9.2025, 19:29:07
Nebenforderungen sind alle Ansprüche, die neben der Hauptforderung geltend gemacht werden.
Dazu zählen vor allem Zinsen, aber auch
vorgerichtliche Rechtsanwaltskosten, Mahnkosten, Inkassokosten oder Vertragsstrafen, sofern sie mit der Hauptforderung im Zusammenhang stehen. Bei Anwaltskosten sind
das etwa die Kosten für die außergerichtliche Tätigkeit, wenn sie vom Gegner zu ersetzen sind (§ 280 Abs. 1, 2,
286 BGB). Die Höhe der vorläufigen Vollstreckbarkeit bezieht sich grundsätzlich auf den zu vollstreckenden Betrag, also auf die im Urteil ausgeurteilte Hauptforderung samt Nebenforderungen, nicht auf den Gebührenstreitwert. Der Gebührenstreitwert ist lediglich relevant für die Berechnung der Gerichts- und Anwaltsgebühren.
ben
14.10.2025, 14:40:20
Foxxy
14.10.2025, 14:40:26
@ben(132212) Außergerichtliche Anwaltskosten sind die Gebühren und Auslagen, die für die anwaltliche Vertretung vor dem eigentlichen Gerichtsverfahren anfallen, zum Beispiel für ein Mahnschreiben oder Verhandlungen mit der Gegenseite. Diese Kosten sind grundsätzlich als Nebenforderung erstattungsfähig, wenn der Gegner sich im Verzug befindet (§ 280, §
286 BGB) oder die Beauftragung des Anwalts aus anderen Gründen erforderlich war. Zur Ergänzung: Neben Zinsen und außergerichtlichen Anwaltskosten zählen zu den Nebenforderungen auch Mahnkosten, Inkassokosten und Vertragsstrafen, wenn sie mit der Hauptforderung im Zusammenhang stehen. Die vorläufige Vollstreckbarkeit bezieht sich auf den im Urteil festgesetzten Betrag inklusive Nebenforderungen, nicht auf den Gebührenstreitwert. Der Gebührenstreitwert dient nur der Gebührenberechnung.
ben
14.10.2025, 14:41:17
Foxxy
14.10.2025, 14:41:22
@ben(132212) Für die Berechnung der außergerichtlichen Anwaltskosten brauchst du
das RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz), nicht
das GVG. Die Höhe richtet sich nach dem Gegenstandswert und der jeweiligen Gebührentabelle im RVG. Ergänzend zum Thema Tatbestand bei Klagen mit
Aufrechnungdurch den Beklagten: Im Tatbestand eines Zivilurteils stellst du nach dem Einleitungssatz zunächst
das Unstreitige zur Klageforderung
dar,
dann ggf. streitiges Klägervorbringen (z.B. zu Nebenforderungen wie Zinsen oder Anwaltskosten).
Danach folgen die Anträge.
Das
Aufrechnungsverlangen des Beklagten wird nicht als Antrag, sondern als Teil seines Sachvortrags wiedergegeben. Anschließend stellst du
das Unstreitige und Streitige zur Gegenforderung
dar, mit der aufgerechnet wird. Am Ende folgt die
große Prozessgeschichte.
ben
14.10.2025, 14:42:25
@foxxy welche Normen aus dem rvg brauche Ichbewusstsein genau
ben
14.10.2025, 14:42:50
Foxxy
14.10.2025, 14:42:57
@ben(132212) Für die Berechnung der außergerichtlichen Anwaltskosten sind im RVG vor allem § 2, § 13 (Gebührentabelle) und Nr. 2300 ff. VV RVG (Vergütungsverzeichnis) relevant. Nr. 2300 VV RVG regelt die Geschäftsgebühr für außergerichtliche Tätigkeiten. Die genaue Höhe richtet sich nach dem Gegenstandswert gemäß § 13 RVG. Weitere Vorschriften können je nach Fallkonstellation hinzukommen, etwa zur Erstattung bei Verzug (§ 280, §
286 BGB, aber
das steht im BGB, nicht im RVG). Ergänzend zum Tatbestand bei Klagen mit
Aufrechnungdurch den Beklagten: Der Aufbau erfolgt so,
dass du nach dem Einleitungssatz
das Unstreitige zur Klageforderung,
dann
das streitige Klägervorbringen (insbesondere zu Nebenforderungen wie Zinsen, Mahnkosten, außergerichtliche Anwaltskosten)
darstellst.
Danach folgen die Anträge.
Das
Aufrechnungsverlangen des Beklagten gibst du als Teil seines streitigen Vortrags wieder, nicht als Antrag. Anschließend folgen
das Unstreitige und Streitige zur Gegenforderung und zum Schluss die
große Prozessgeschichte.
Foxxy
14.10.2025, 14:44:40
@ben(132212) Nein, es ist nicht egal, ob du in der Hauptsache nur teilweise gewinnst. Die Erstattungsfähigkeit der außergerichtlichen Anwaltskosten richtet sich nach dem Verhältnis des Obsiegens und Unterliegens (§ 91 ZPO). Wenn du nur zu 50 Prozent gewinnst, bekommst du in der Regel auch nur 50 Prozent der außergerichtlichen Anwaltskosten vom Gegner erstattet. Ergänzend zum Tatbestand bei einer Klage mit
Aufrechnungdurch den Beklagten: Der Tatbestand wird so aufgebaut,
dass du mit dem Einleitungssatz beginnst,
dann
das Unstreitige zur Klageforderung
darstellst, anschließend
das streitige Klägervorbringen zu Nebenforderungen (z.B. Zinsen, Anwaltskosten),
danach die Anträge wiedergibst,
das
Aufrechnungsverlangen des Beklagten als streitiges Vorbringen beschreibst, gefolgt vom Unstreitigen und Streitigen zur Gegenforderung, und schließlich die
große Prozessgeschichteaufführst. Die
Aufrechnungwird also nicht als Antrag, sondern als Teil des Beklagtenvorbringens
dargestellt.
ben
14.10.2025, 14:45:55
@[Foxxy](180364) ich bin verwirrt. Was ist die andpruxhsgrubdlsgr für die außergerichtlichen anwaltsgebphren: 91 zpo oder
286 bgbFoxxy
14.10.2025, 14:45:58
@ben(132212) Die
Anspruchsgrundlage für die Erstattung außergerichtlicher Anwaltskosten ist nicht § 91 ZPO, sondern grundsätzlich § 280 Abs. 1, 2 i.V.m. §
286 BGB(Verzug). § 91 ZPO regelt nur die Kostenerstattung für
das gerichtliche Verfahren, also die Prozesskosten. Für die außergerichtlichen Anwaltskosten musst du also
darauf achten,
dass der Gegner sich im Verzug befindet oder ausnahmsweise ein
Schadensersatz
anspruchbesteht.
Foxxy
14.10.2025, 14:47:08
@ben(132212) Auch bei außergerichtlichen Anwaltskosten nach § 280 Abs. 1, 2, §
286 BGBgilt: Du bekommst die Kosten nur in dem Umfang erstattet, wie du mit deiner Hauptforderung durchdringst. Wenn du zum Beispiel nur teilweise obsiegst, werden die Anwaltskosten entsprechend der Quote erstattet (vgl. §
92 ZPOanalog). Es ist also nicht egal, wie die Kostenverteilung im Urteil aussieht. Ergänzend zum Tatbestand bei Klagen mit
Aufrechnungdurch den Beklagten: Der Aufbau erfolgt so,
dass nach dem Einleitungssatz
das Unstreitige zur Klageforderung kommt,
dann
das streitige Klägervorbringen (insbesondere zu Nebenforderungen wie Zinsen oder Anwaltskosten), gefolgt von den Anträgen.
Das
Aufrechnungsverlangen wird als streitiges Beklagtenvorbringen
dargestellt, nicht als Antrag.
Danach folgt
das Unstreitige und Streitige zur Gegenforderung, abschließend die
große Prozessgeschichte.
ben
14.10.2025, 14:50:16
