+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)

Jurafuchs
Tags
Lernplan SR Kleiner Schein (100%)
Lernplan SR Kleiner Schein (30%)
Lernplan SR Kleiner Schein (80%)

T geht in ein Kaufhaus und steckt sich dort eine teure CD in die Jackeninnentasche. Auf dem Weg nach draußen, schämt sie sich und bringt die CD wieder zurück.

Einordnung des Falls

Rücktritt beendeter Versuch - Grundlagen 2

Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 3 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt

1. Ts Versuch des Diebstahls (§§ 242 Abs. 1, 22, 23 Abs.1 StGB) ist fehlgeschlagen.

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

...Wird geladen

Nein, das ist nicht der Fall!

Ein Versuch gilt dann als fehlgeschlagen, wenn der Täter glaubt, dass er den Erfolg nicht mehr herbeiführen kann, ohne eine völlig neue Kausalkette in Gang zu setzen. T dachte, dass ihre Tat zur Vollendung führen würde.

2. Es liegt ein beendeter Versuch vor.

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

...Wird geladen

Ja, in der Tat!

Ein Versuch gilt dann als beendet, wenn der Täter glaubt, dass er alles zur Tatbestandsverwirklichung Erforderliche getan hat. Dabei reicht es aus, dass der Täter es für möglich hält, dass er alles Erforderliche getan hat, aber auch, wenn er sich keine Gedanken macht, aber die Möglichkeit sieht. T hat mit dem Einstecken der CD in die Jackentasche alles Erforderliche getan, um den Taterfolg zu verwirklichen. Hier musst Du darauf achten, nicht unsauber zu arbeiten. Denn die Anforderungen an den Rücktritt hängen davon ab, ob ein unbeendeter oder beendeter Versuch vorliegt.

3. T hat den Eintritt des Taterfolges verhindert (§ 24 Abs. 1 S. 1 Var. 2 StGB).

Diese Rechtsfrage lösen [...Wird geladen] der Jurist:innen in Studium und Referendariat richtig.

...Wird geladen

Nein!

Bei beendeten Versuchen ist es erforderlich, dass der Täter den Eintritt des Erfolges verhindert. Dafür muss der Täter objektiv für die Erfolgsverhinderung kausal geworden sein. In subjektiver Hinsicht muss der Täter den von ihm in Gang gesetzten Kausalverlauf bewusst und gewollt unterbrechen. T konnte den Taterfolg nicht mehr verhindern, da der Taterfolg - die Wegnahme - bereits durch das Stecken in die Jackentasche eingetreten ist. Daher ist die Tat auch bereits vollendet. Aufgrund solcher Fehler musst Du sehr darauf achten, bereits vorher die Vollendungsstrafbarkeit sauber zu prüfen. Im Gutachten solltest Du nach der bejahten Vollendung keinen Versuch mehr prüfen.

Jurafuchs kostenlos testen

© Jurafuchs 2024