Zivilrecht
Sachenrecht
Rechtsgeschäftlicher Eigentumserwerb an beweglichen Sachen
Übereignung nach §§ 929 S. 1, 931 BGB
Übereignung nach §§ 929 S. 1, 931 BGB
4. April 2025
21 Kommentare
4,7 ★ (23.342 mal geöffnet in Jurafuchs)
+++ Sachverhalt (reduziert auf das Wesentliche)
E leiht B seine Kletterausrüstung. Dann verkauft E sie an F (§ 433 BGB) und einigt sich mit ihm dinglich über den Eigentumsübergang an F (§ 929 S. 1 BGB).
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Einordnung des Falls
Übereignung nach §§ 929 S. 1, 931 BGB
Die Jurafuchs-Methode schichtet ab: Das sind die 3 wichtigsten Rechtsfragen, die es zu diesem Fall zu verstehen gilt
1. F hat Eigentum nach § 929 S. 1 BGB erlangt.
Nein!
Jurastudium und Referendariat.
2. F kann erst Eigentum erlangen, wenn B das Kletterset zurückgibt.
Nein, das ist nicht der Fall!
3. F erwirbt Eigentum, wenn E ihm seinen Herausgabeanspruch gegen B aus dem Leihvertrag abtritt (§§ 398 ff. BGB).
Ja, in der Tat!
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Fragen und Anmerkungen aus der Jurafuchs-Community
Jurapro
4.2.2023, 13:03:55

Jurapro
4.2.2023, 13:16:19
Hahaha 😂😂😂 Ganz lieben Dank! Den Merkspruch werde ich nie wieder vergessen
jenny24
4.2.2023, 15:14:34
mit t wie alt.
Larissa3
3.5.2023, 13:49:17
Mein Prof hat uns diesen verraten: WeR ist deR ErwerbeR - der
ZessionaR. Beim Aufsagen hat er das R so gerollt 😬 das bleibt in Erinnerung

juramen
18.5.2023, 06:55:44
Warum brauchen wir als Voraussetzung des Eigentumerwerbs nach §§ 929, 931 eigentlich sowohl Einigung als auch einig sein, zumal das einigsein ja während der
Abtretung des Herausgabeanspruchsvorliegen sollte und nicht erst ggf. danach, wenn man es als dritte Voraussetzung prüft 🤔

Nora Mommsen
18.5.2023, 09:52:44
Hallo juramen, einig sein meint Einigsein im Zeitpunkt der Übergabe/des Übergabe
surrogats. Also eine Einigung kann ja auch antizipiert erfolgen, muss aber eben fortbestehen. Wir haben das umformuliert. Beste Grüße, Nora - für das Jurafuchs-Team
Juratiopharm
5.11.2023, 18:03:42
Klassischerweise liegt eine Übergabe ja vor, wenn der Erwerber den B
esitz erlangt, dies auf Veranlassung des Veräußerers passiert und letzterer keinen B
esitzrest behält. Dies könnte man hier auch annehmen, aber dennoch ist 931 einschlägig. Wieso (dogmatisch)?

Paulah
9.11.2023, 22:07:05
Im § 929 steht "... ist es erforderlich, dass der Eigentümer die Sache dem Erwerber übergibt". E kann nichts an F übergeben, weil er nicht im B
esitz der Kletterausrüstung ist, deshalb brauchen wir ein Übergabe
surrogat- das ist hier die
Abtretung des Herausgabeanspruchs.
okalinkk
21.2.2025, 15:03:23
@[Paulah](135148) ich bin gerade auch etwas verwirrt. E ist ja
mittelbarer Besitzer, demzufolge koennte er ja einfach seinen Herausgabeanspruch an den Erwerber abtreten. So würde der Erwerber mittelbaren B
esitz erwerben und der E diesen verlieren . Die Definition der Ubergabe iSd 929 1 lautet: vollständiger B
esitzverlust des Veraeusserers und Erwerb wenigstens mittelbaren B
esitzes des Erwerbers und dies auf Veranlassung des Veraeusserers. Also an sich laege dann doch auch eine Ubergabe iSd 929 1 vor? Oder ist 931 in diesem Fall einfach spezieller weil er genau diese Konstellation regelt und 929 1 setzt voraus, dass der Veräußerer “UN
MITTELBARER Besitzer” ist?
Dini2010
15.3.2025, 18:00:50
Es gibt da, wenn ich das richtig verstehe, verschiedene Lösungswege/Ansichten in der Konstellation: E ist
mittelbarer Besitzer (mB) und Veräußerer, B ist un
mittelbarer Besitzer (uB),
Besitzmittlungsverhältnis(BMV) entsprechend zwischen E und B, und dann Verkauf der Sache von E an F. Oder, weil es in meinen Augen einfacher verständlich ist, anderes Beispiel: E (mB) hat 100 Kartoffelsäcke bei B (uB) eingelagert. Nun verkauft er diese 100 Kartoffelsäcke an F. Eine Möglichkeit ist nun, dass E sein BMV mit B beendet und B anweist, ein neues BMV mit F zu begründen. E sagt also B, dass er den Lagervertrag mit ihm aufhebt, und dass B zukünftig für F einlagern soll. B und F schließen entsprechend einen Lagervertrag ab (= neues BMV). Die hM sagt nun, dass es unschädlich sei, dass in der Person des uB kein Wechsel stattgefunden hat. Die Voraussetzungen der Übergabe seien 1. B
esitzerwerb auf Erwerberseite (F hat mB erlangt) 2. vollständiger B
esitzverlust auf Veräußererseite (E hat keinen mB mehr, B b
esitzt nun für F) 3. auf Veranlassung des Veräußerers (E hat das alles in die Wege geleitet). Und die sind erfüllt. Damit liege ein Erwerb nach § 929 S. 1 vor. Eine andere Ansicht sieht das anders und verlangt, dass die Person des uB bei § 929 S.1 wechseln müsse und löst eine solche Konstellation daher über die
Abtretung des Herausgabeanspruchsvon E an F auf. Schwierig kann es mit der ersten Variante (altes BMV auflösen, neues begründen) allerdings wohl dann werden, wenn das Verhalten des uB nicht eindeutig ist, er also nicht eindeutig für den Veräußerer oder den Erwerber b
esitzt. Zumindest habe ich es so verstanden :)
Dogu
9.11.2023, 16:31:28
Wäre hier nicht auch die Aufgabe des alten
Besitzmittlungsverhältnisses unter Begründung eines neuen
Besitzmittlungsverhältnisses zwischen Erwerber und Entleiher als Erwerb nach § 929 S. 1 BGB möglich?

Paulah
9.11.2023, 22:12:03
Ich glaube, das ist hier ein ähnliches Problem wie bei Juratiopharms Frage zu dem Fall. Die Eigentumsübertragung muss für die Änderung des
Besitzmittlungsverhältnisses erst mal erfolgt sein. Das geht über § 929 S. 1 BGB nicht, weil der Eigentümer E nicht im B
esitz der Sache ist und die Sache nicht übergeben kann. Nach der Übergabe durch
Surrogatkann ein neues
Besitzmittlungsverhältnisgegründet werden. Ein neues
Besitzmittlungsverhältnismüsste ja zwischen F als Eigentümer und B erfolgen.
Dogu
10.11.2023, 10:16:17
Wenn der Veräußerer (E) das
Besitzmittlungsverhältnismit dem unmittelbaren B
esitzer (B) beendet und auf seine Veranlassung ein
Besitzmittlungsverhältniszwischen dem Erwerber (F) und dem unmittelbaren B
esitzer vereinbart wird, liegt nach h.M. eine Übergabe i.S.d. § 929 S. 1 BGB vor (AS-Skript Sachenrecht 1, 24. Auflage, S. 68). Insoweit verstehe ich die Aussage nicht, dass für eine Änderung des
Besitzmittlungsverhältnisses die Eigentumsübertragung erfolgt sein muss. Das stimmt meines Erachtens nicht.

Paulah
12.11.2023, 15:45:13
Hallo Dogu, ich habe noch mal überlegt und recherchiert, das ist wirklich interessant. Ich denke das so: Also, eine Übergabe nach § 929 S. 1 BGB haben wir in keinem Fall. E hat das Gerät nicht und kann es deshalb nicht an F übergeben. Wir brauchen in jedem Fall ein
Surrogat. Nach dem, was du nach AS erläutert hast, könnte eine Übergabe nach §§ 929 S. 1,
930 BGBvorliegen. Dazu habe ich nichts gefunden. Das AS-Skript habe ich auch nicht. Mich machen aber zwei Sachen nachdenklich: 1. Man kann das Inhaltsverzeichnis des AS-Skripts online einsehen. Die von dir zitierte Stelle steht in dem Kapitel "Ersatz der Übergabe durch
Abtretung des Herausgabeanspruchs, § 931" - jedenfalls wenn sich zur 23. Auflage nicht komplett etwas verändert hat. Kann man die als hM zitierte Stelle so aus dem Zusammenhang reißen bzw. wie ist sie eingebettet? Führt AS nähere Belegstellen für die hM an? 2. Ich überlege immer gerne mit Übertragungen "ins tägliche Leben". Wenn ich also den Jurafüchsen mein BGB leihe, damit die das auch mal lesen können ;-) - und es dir dann verkaufe und dabei dir sage, sie sollst aber mit den Füchsen ein neues BMV abschließen, weil sie es noch nicht bis zum Ende gelesen haben - dann müsstest du das machen, nicht ich. Ist es dann noch auf meine Veranlassung? Ich kann es dir ja nicht vorschreiben. Oder müsste ich das zur Vertragsbedingung machen? Trotzdem müsste das BMV doch vom Eigentümer, in diesem Falle also von dir und nicht von mir geschlossen werden? Oder nicht? Oder doch? Wie siehst du - oder jemand anders das? Viele Grüße von Paula
Dogu
12.11.2023, 19:32:37
Hallo Paulah, Deine Auffassung entspricht nicht der herrschenden Meinung. Das ist ein Fall des § 929 S.1 BGB und damit nicht §§ 929,
930 BGB. "Nach überwiegender Meinung reicht es aus, wenn der Veräußerer den
Besitzmittlerzum Abschluss eines neuen
Besitzmittlungsverhältnisses mit dem Erwerber anweist und der
Besitzmittlerden Weisungen des Erwerbers tatsächlich nachkommt. Die Gegenauffassung wendet mangels Wechsels des unmittelbaren B
esitzes §
931 BGBan, der ohnehin auf die Publizität verzichtet" ( stellvertretend für viele: https://rsw.beck.de/docs/librariesprovider22/default-document-library/vieweg-regenfuss_fragenkatalog-online.pdf Frage 30). Es fehlt ja auch nichts für § 929 S. 1 BGB: Aufgabe des B
esitzes auf Veräußerseite +, Begründung des B
esitzes durch den Erwerber +, B
esitzbegründung auf Veranlassung des Veräußerers +. Daher stimmt die Aussage, "E hat das Gerächt nicht und kann es deshalb nicht übergeben" nicht: E hat B
esitz an der Ausrüstung, die er sehr wohl übertragen kann.
Dogu
12.11.2023, 19:33:09
*den er übertragen kann.

Paulah
12.11.2023, 21:38:48
Vielen Dank, Dogu! Tatsächlich habe ich mit deinen erneuten Hinweisen an verschiedenen Stellen die entsprechende Diskussion auch noch gefunden. In der Tat geht diese Möglichkeit auch! Bei mir steht allerdings nicht, dass die von dir geschilderte Meinung die herrschende Meinung ist. Herrschende Meinung ist diesbezüglich nur, wie ich es lese, dass die Möglichkeit besteht. Insgesamt gesehen gibt es z. B. nach Diehn, Streitstände kompakt, Sachenrecht, S. 37 f. oder nach Prütting, Sachenrecht, Rn 376 f. nach überwiegender Auffassung drei Möglichkeiten zur Eigentumsübertragung, wenn der Veräußerer
mittelbarer Besitzer ist. Die von dir aufgeworfene Lösung über § 929 S. 1 und die bereits oben diskutierten anderen beiden Möglichkeiten § 929 S. 1 und § 930/931. Das die Lösung über § 929 S. 1 bevorzugt wird, also herrschende Meinung ist, habe ich aus dem, was ich gelesen habe, nicht gesehen. Siehst du das anders?
Vincent
6.6.2024, 09:34:07
Woraus ist im SV abzuleiten, dass der Herausgabeanspruch abgetreten wurde an den Käufer? (als Ersatz für klassische Übergabe)
Blotgrim
8.7.2024, 10:39:13
Im Sachverhalt steht dass sich die Parteien dinglich über den Eigentumsübergang einigen. Da es sich bei der
Abtretungum eine dingliche Verfügung handelt, über die sich die Parteien einigen müssen und außerdem die anderen Erwerbstatbestände nicht in Frage kommen, kann man da meiner Meinung nach ganz gut rauslesen, dass die
Abtretungerfolgt ist. Die Einigung über den Eigentumsübergang und über die
Abtretungliegen in der selben Erklärung vor. Ich hoffe das ist einigermaßen verständlich erklärt
okalinkk
21.2.2025, 15:14:44
also setzt 929 1 voraus, dass der Veraeusserer un
mittelbarer Besitzer der Sache war? und 931 muss so gelesen werden, dass ein Dritter im “unmittelbaren B
esitz” der Sache ist? der E ist naemlich hier ja
mittelbarer Besitzer im Fall und Uebergabe nach 929 1 meint vollstaendiger B
esitzverlust des Veraussserers und Erwerb wenigstens mittelbaren B
esitzes des Erwerbers und dies auf Veranlassung des Veraeusserers.